David heißt der Namensgeber

* 25.3.09 Enugu † 22.07.09 Enugu

Originalzeichnung der Künstlerin Alla Grande vom kleinen David – Namensgeber “Die Wiege e.V.”

Ein kleiner Junge, ein Baby, hat der Wiege ihren Namen gegeben. David wurde in der nigerianischen Stadt Enugu geboren, als Frühchen, leichter als 1000 Gramm und kaum größer als eine Erwachsenenhand. Er kommt dort im Frühjahr 2009 zur Welt und hat in seinem afrikanischen Heimatland kaum eine Überlebenschance.

Karin Meincke, die stellvertretende Vorsitzende der Wiege, die Familien-Bande dorthin hat, unterstützt die Familie sofort mit wertvollen Informationen und guten Kontakten. Innerhalb einer Stunde, nachdem in Krefeld die Bitte um Unterstützung eingegangen war, bildete sich aus dem schon seit über zehn Jahren bewährten Netzwerk aus Hilfsexperten ein genau für diese Situation zugeschnittenes Projektteam.

Spezialisierte Ärzte und Schwestern aus Deutschland versetzten das Team vor Ort mit vielen Informationen zur Betreuung und Pflege Frühgeborener in die Lage, das neue Leben zu retten.

Es folgten mehrere Wochen regen Austausches zwischen dem nigerianischen und dem deutschen Team. Alle standen rund um die Uhr zur Verfügung. Als Komplikationen auftraten, wurde über das Netzwerk ein Flugzeug-Pilot gefunden, der innerhalb von 24 Stunden ganz unbürokratisch notwendige Hilfsgüter mitnahm.

Der kleine Kämpfer David entwickelte sich gut und durfte mit 2700 Gramm Gewicht nach Hause. Dort nahm er weiter zu und dann, als alle dachten, er habe es geschafft, kam die traurige Nachricht.

Es hatte nicht gereicht. Nach drei Monaten starb er. Allen, die Davids kurzes Leben begleitet hatten, war klar, Davids Tod durfte nicht umsonst gewesen sein. So reifte der Entschluss, auch in Zukunft die Hilfskräfte zu bündeln. Der Verein „Die Wiege“ wurde gegründet.

Der Name „Die Wiege“ erinnert an den kleinen Jungen aus Nigeria und an seinen Geburtskontinent Afrika, der als die Wiege des Menschen bezeichnet wird.

Die Bleistiftzeichnung des kleinen David hat die Krefelder Künstlerin Alla Grande geschaffen. Sie wurde in Russland geboren und lebt in Krefeld, wo sie als Bildhauerin, Malerin und Designerin arbeitet. 

Mit Hilfstransporten startete die Unterstützung

Die ersten Hilfsaktionen, die 2009 zur Gründung des Vereins „Die Wiege“ führten, begannen schon viel früher, bereits 1996. Andrea Berg, damals schon sehr erfolgreiche Schlagersängerin und Karin Meincke, zu dieser Zeit Oberin der DRK-Schwesternschaft Krefeld, beschlossen, all ihre Möglichkeiten auszuschöpfen, um Menschen in Not zu helfen. Die Freundschaft von Andrea Berg und Karin Meincke bekam dadurch nochmals eine ganz neue Bedeutung.

 

Karin Meincke (links) und Andrea Berg

1996 lernte die DRK-Schwesternschaft verschiedene Behindertenzentren und Krankenhäuser rund um die Region Gorzow in Polen kennen. Unterstützt von Krefelder Feuerwehren, verschiedenen DRK-Organisationen, polnischen und deutschen Fußballmannschaften, Prominenten aus dem Showgeschäft und vielen, vielen freiwilligen Helfern begann eine Serie von Hilfstransporten, die bis 2006 andauerten. Geld- und Sachspenden, vor allem aber die unendlich vielen Stunden, die freiwillige Helfer spendeten, um die Transporte vorzubereiten und die riesigen Lkw zu fahren, waren unschätzbare Hilfen. Benefizkonzerte und -Fußballspiele sind zwei weitere Beispiele für engagierte Hilfe.

Während der vielen Besuche in Polen lernte die Schwesternschaft auch immer wieder Familien mit Einzelschicksalen kennen, zu denen der Kontakt bis heute besteht.

Neues Leben für Mercy und Goodness

Eines der Projekte, das zur Bildung des Vereins die Wiege führte, nahm auch in Afrika seinen Anfang. Es fand diesmal ein sehr gutes Ende. Hier der Bericht darüber:

In Nigeria bereitet sich ein ganzes 16 000-Einwohner-Dorf auf ein Freudenfest vor: Denn bald kommen Cordelia Egwuindu und ihr Nachwuchs wieder nach Hause, nach Nkpologwu. Das Besondere daran: Cordelias Kinder Goodness und Mercy waren Siamesische Zwillinge. Sie wurden in München erfolgreich getrennt. Klar ist, dass Karin Meincke, Krefelds Bürgermeisterin, damals Oberin der DRK-Schwesternschaft und Aktivistin für die Trennung, das glückliche Trio in die Heimat begleiten wird. Dort ist ihr Schwager König.

Alles fing mit einem Besuch ihres Schwagers Ogbonnaya Obi an. „Am 3. Juni 2007 kam er und zeigte mir das Bild der Kinder, die übersetzt Güte und Gnade heißen. Er fragte mich: ,Kannst Du da nicht helfen?’. Die Kinder waren an Brust und Bauch zusammengewachsen. Die Chancen für die Trennung standen gut, weil alle Organe, bis auf die Leber, getrennt vorhanden waren.“ Davor stand aber noch die Frage der Finanzierung für Flüge, Klinikaufenthalt und OP der sieben Monate alten Kinder. Und: „Wo soll der Eingriff geschehen?“

„Ich wusste nicht, wie ich das schaffen sollte“, so Meincke. Ebenso sicher war: „Das kriegen wir hin.“ Schnell war Professor Dietrich von Schweinitz, Chefarzt der Kinderklinik im Uni-Klinikum München, als Operateur gefunden. Er stellte zwei Bedingungen: ,Keine Öffentlichkeit, damit OP-Team und Familie Ruhe haben, und  Kostenübernahme’. Zwei Wochen später hatte Meincke das Geld – rund 50 000 Euro – zusammen. Wie sie das geschafft hat, verrät sie nicht genau. Nur soviel: Die Krefelder Schlagerkönigin Andrea Berg hat einen namhaften Betrag zugeschossen.

Fünfeinhalb Stunden dauerte die OP im Jahr 2008. Am Nachmittag kam der befreiende Anruf: „Es ist alles in Ordnung.“

Die Kinder erfuhren die erste räumliche Trennung ihres Lebens: Die agilere Mercy, die früher die Intensivstation verlassen durfte, als ihre Schwester, war unruhig, bis sie mit Goodness wieder in einem Bettchen lag. Die Kleinen haben ihre Entwicklung im Crashkurs aufgeholt: Krabbeln, Sitzen und Stehen. „Dann begannen sie, ihre eigenen Hände aneinander zu reiben. Das war eine völlig neue Erfahrung.“

Mercy (rechts) und Goodness als Babys

Mercy (rechts) und Goodness als Zweijährige

Mercy (rechts) und Goodness als Teenager