Lebenswünsche

Andrea Berg, Christa Schwirtz, Ingrid Hahn, Karin Meincke. 

Foto: Alfred Heimermann

In den letzten, wertvollen Lebenstagen können sie drängend werden: Lebenswünsche. Die Erfüllung eines letzten Wunsches heißt, Leben zu erleben. Die Wiege ist in den vergangenen Jahren schon bei über 20 Menschen dieser Bitte nachgekommen.

Auch für Christa Schwirtz ging in ihren letzten Lebenstagen ein Traum in Erfüllung und die Wiege half ihr dabei. Es war 2017, die Seniorin Gast im Hospiz am Blumenplatz und ein begeisterter Fan von Schlagerkönigin Andrea Berg. Die Frau war sehr traurig, dass sie es nie geschafft hatte, die Künstlerin einmal live zu erleben. Nun hatte sie die Hoffnung, die Schlagerqueen im Hospiz bei einem ihrer regelmäßigen Besuche treffen zu können.

Als sie hörte, dass Karin Meincke, die stellvertretende Vorsitzende der Wiege, mit einer kleinen Gruppe von Ehrenamtlern zum Konzert „Seelenbeben“ nach Oberhausen fahren würde, entstand als erstes der Wunsch, ob sie vielleicht ein Autogramm bekommen könne. Zweitens hatte sie die Idee: „Vielleicht könnte es ja auch eine CD mit Widmung ,für Christa Schwirtz` sein. Dies wäre auch ein schönes Erinnerungsgeschenk für ihre Schwägerin Ingrid Hahn, die sie so liebevoll im Hospiz begleitete.

Zu dieser Zeit ließ es der gesundheitliche Zustand nicht zu, überhaupt an eine Mitfahrt zu denken. Meincke: „Doch der Gedanke daran ließ – drittens – ungeahnte Kräfte frei werden. Christa Schwirtz und Ingrid Hahn fuhren mit. Der schwer kranken Frau war es egal, ob sie das Ziel Oberhausen vor lauter Aufregung überhaupt erreichen würde. Sie meint nur: ,Auf den letzten Metern meines Lebens geht noch ein Traum in Erfüllung`.“

Und sie schaffte es. Leider konnte sie Andrea Berg aus krankheitsbedingten Gründen nur noch schemenhaft erkennen. Aber das war Künstlerin und Fan egal. Christa Schwirtz hörte die Stimme von Andrea Berg direkt an ihrem Ohr und streichelte ihr Gesicht. Zwar wurde das Bühnen-Make-Up lädiert, aber auch das spielte in diesem Moment keine Rolle.

Für Christa Schwirtz ging ein Lebenswunsch in Erfüllung. Sie war Andrea Berg ganz nah und mit Sicherheit entsprach dies auch dem Tournee-Titel „Seelenbeben“.

An darauffolgenden Rosenmontag erlebte sie dann noch den Aufzug des Krefelder Prinzenpaares im Hospiz und sagte zu Karin Meincke: „Eigentlich bin ich doch im Hospiz um zu sterben, aber jetzt bin ich hier schon im Paradies“. Eine Woche nach dem Konzert ist Christa Schwirtz gestorben.

Da war der schwer krebskranke Marcin Murek, Vater einer Tochter. Er hatte den Wunsch, mit seiner Familie noch die erste heilige Kommunion seiner Kleinen zu erleben. Durch die finanzielle Unterstützung der Wiege für eine umfangreiche Therapie hat er es wirklich geschafft und war ebenso überglücklich wie seine Tochter an ihrem Ehrentag. Murek hatte zwei Krebsarten gleichzeitig und mit jeder einzelnen hätte er eigentlich keine Überlebenschance gehabt. Aber Hoffnung gibt es immer.

Joachim hatte Lungenkrebs. Der 51-Jährige kämpfte zwei Jahre und starb dann im Hospiz am Blumenplatz. Die Erfüllung seines letzten Wunsches hat er noch erlebt: Eine Fahrt nach Emden an die Nordsee, in Begleitung eines Arztes und einer Krankenschwester. Karin Meincke organisierte diese Fahrt in wenigen Stunden und fuhr mit. Für Joachim war es ein wundervoller Tag.

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